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Klartext.

Stellungnahme der Ingenieurkammer Rheinland-Pfalz zu … 

…“HOAI-Novelle 2009“

Hintergrundinformationen:

Die lange erwartete neue HOAI ist für das Jahr 2013 vorgesehen. Am 17. August 2009 wurde die letzte HOAI-Novelle im Bundesgesetzblatt (BGBl. I Nr. 53 S. 2732) verkündet und hielt als Honorarordnung für Architekten und Ingenieure dabei einige Vor- und Nachteile bereit.

Die Kammer spricht Klartext:

Ein positiver Aspekt war die 10%ige Erhöhung der Honorarsätze und die Möglichkeit der Vereinbarung so genannter Erfolgshonorare. Auf der anderen Seite entstanden durch das ab sofortige Aushandeln der Stundensätze und Honorare sowie der Möglichkeit der Vertragsstrafe bei Baukostenüberschreitung jedoch auch Risiken für den gesamten Berufszweig. Des Weiteren sollten laut aktueller HOAI, Begrenzungen des Anwendungsbereichs auf Leistungen von Planungsbüros mit Sitz im Inland die HOAI europafest machen und ein Bonus-Malus-System Anreize zum kostengünstigen und qualitätsbewussten Planen und Bauen schaffen.

Die Leistungen von Fachingenieuren wie etwa Vermessungsingenieuren zu Beratungsleistungen werden dadurch entwertet und frei verhandelbar. Dabei sind ihre Arbeiten geistig schöpferische Planungsleistungen und in allen Leistungsbereichen der HOAI notwendig. Gerade nachhaltig handelnde Planer müssen sich mit deutlich mehr Fachplanern zusammensetzen als einst - ob mit dem Heizung-Lüftung-Sanitär-Planer oder wegen der thermischen Bauphysik.  

Durch die Energieeinsparverordnung wird der Bauherr dazu verpflichtet, Fachplaner in Anspruch zu nehmen. Für immer weniger Fachplanungsleistungen sieht die HOAI aber Honorare vor, streicht Karsten Meurer, Fachanwalt für Bauund Architektenrecht heraus.

Das Honorar wird momentan vor Beginn der Arbeit festgelegt, obwohl die Leistungen sich dann noch stark verändern können. „Der Planer wird zu einem zu frühen Zeitpunkt gezwungen, einen Honorarvereinbarung abzuschließen und die Vergütung von Änderungen zu regeln“, kritisiert Karsten Meurer. „Ein Interesse nachhaltig zu planen oder qualitätsvoll zu bauen, wird der Planer bei fehlender Honorierung nur noch haben, soweit er dafür haften muss.“ Prozesse sind da vorprogrammiert! Auch der Zuschlag für Umbauten und Modernisierungen soll dank der Neuerungen entfallen. Diese Honorarreduzierung ist eine schwerwiegende Fehlentscheidung. Denn Bauen im Bestand ist aufwändiger, aber zugleich nachhaltig und die Aufgabe der Zukunft.

Aus diesem Grunde fordert die Ingenieurkammer Rheinland-Pfalz zwar ein Festhalten an der HOAI, aber eine deutliche Novellierung in Richtung der Ingenieure und einer weitreichenden Integration diverser Planungsleistungen, wie Thermische Bauphysik, Schallschutz, Vermessungstechniken etc. in das verbindliche Preisrecht der HOAI sowie die Fokussierung der Planungsleistungen beim „Bauen im Bestand“, da diesem Aspekt in Zukunft immer mehr Bedeutung zuteilwerden wird.

Qualität und adäquate Planungsleistung ist ohne entsprechendes Honorar nicht zu gewährleisten! 

Mainz, 13.11.2012