Jahresempfang der Wirtschaft in Mainz

Der größte Neujahrsempfang der regionalen Wirtschaft und der Freien Berufe in Deutschland fand in diesem Jahr bereits zum 16. Mal in der voll besetzen Rheingoldhalle in Mainz statt. Zwölf Kammern luden am 20.01.15 unter dem Thema „Fachkräfte für die digitale Zukunft in Wirtschaft, Handwerk und freien Berufen“ zum Dialog zwischen Mittelstand und Politik ein.

EU-Kommissar Günther Oettinger mit Ingenieurkammerpräsident Dr.-Ing. Horst Lenz, Architektenkammerpräsident, Gerold Reker und der rheinhessischen Weinkönigin Isabelle Willersinn

Präsident Dr. Horst Lenz im Gespräch mit der CDU Landes- und Fraktionsvorsitzenden Julia Klöckner.

Günther Oettinger, EU-Kommissar für Digitale Wirtschaft

Die Rheingoldhalle war auch beim 16. Jahresempfang wieder fast ausgebucht.

Gruppenbild der Präsidenten und Geschäftsführer mit Günther Oettinger, der stellvertretenden Ministerpräsidentin Eveline Lemke und der rheinhessischen Weinkönigin Isabelle Willersinn.

Gute Gespräche auch nach dem offiziellen Teil des Empfangs: Dr. Klaus Siekmann, IK-Thüringen Geschäftsführer Dr. Rico Löbig, Uwe Angnes, Peter Strokowsky, Präsident Dr. Horst Lenz und Geschäftsführer Martin Böhme (v. l).

Geschäftsführerkollegen im Austausch: Thomas Noebel (Bundesingenieurkammer), Dr. Rico Löbig (Thüringen), Martin Böhme (Rheinland-Pfalz) und Anke Fellinger-Hoffmann (Saarland)

Geschäftsführer Martin Böhme mit Felix Schütz, Hauptgeschäftsführer der Zahnärztekammer und Präsident San. Rat Dr. Michael Rumpf.

Gemütlicher Ausklang bei rheinhessischem Wein und Brezeln im Foyer der Rheingoldhalle

Diese einzigartige Veranstaltung findet inzwischen bundesweit Beachtung und misst der Interessenvertretung des rheinland-pfälzischen Mittelstandes eine einzigartige Bedeutung bei.

Eröffnet wurde der Mainzer Jahresempfang der Wirtschaft vom Handwerkskammerpräsidenten, Hans-Jörg Friese, der vom Ehrengast Günther Oettinger, EU-Kommissar für Digitale Wirtschaft, den Erhalt des Meisterbriefs als Gütesiegel für Qualität und Garant für hohe Ausbildungsleistung, Nachhaltigkeit und Verbraucherschutz erfolgreich einforderte.

Gerold Reker, Präsident der Architektenkammer, betonte in seinem anschließenden Grußwort, stellvertretend für alle Kammern der Freien Berufe, wie wichtig die Präsenz der Kammern in Brüssel sei. „Europarechtliche Fragen betreffen nicht nur nationale und internationale Großunternehmen, sondern auch den rheinland-pfälzischen Mittelstand. Beispielsweise hat die Vergaberichtlinie Einfluss auf die Auftragsvergabe und die Dienstleistungsrichtlinie auf die Honorarordnung für Architekten und Ingenieure“, erläuterte Reker.

Weiterhin führte er aus, dass ein besonderes Anliegen der Freien Berufe die Qualitätssicherung der Ausbildung sei. „Die Gesetzgebung in Europa dürfe nicht dazu führen, dass das Niveau und die Standards der Ausbildungen reduziert werden. Die Digitalisierung des Berufslebens macht eine gründliche und praxisbezogene Aus- und Weiterbildung noch notwendiger“, so Reker. In diesem Zusammenhang sprach er auch über den Mangel an Auszubildenden, Studierenden und Fachkräften, den alle Kammern in ähnlicher Weise beklagen.

Auch im Ingenieurwesen dokumentieren verschiedene Studien der letzten Jahre einen deutlichen Fachkräftemangel in Deutschland. Aufgrund des demografischen Wandels ist der Großteil der qualifizierten Fachingenieure älter als 50 Jahre. Dem gegenüber steht eine zu geringe Anzahl junger Nachwuchsingenieure. Trotz wachsendem Interesse an ingenieurwissenschaftlichen Studiengängen ist die Studienabbruchquote im MINT-Bereich überdurchschnittlich hoch.

Nur mit hervorragend ausgebildeten Fachkräften bleibt der deutsche Mittelstand im internationalen Wettbewerb konkurrenzfähig. Daher benötigen wir dringend akademischen Nachwuchs mit einer fundierten Ausbildung. Wer sich zum Ingenieur ausbilden lässt, hat beste Chancen auf einen Arbeitsplatz. Darüber hinaus ist dieser Beruf äußerst attraktiv und vielfältig.

Günther Oettinger, politischer Gastredner beim diesjährigen Jahresempfang, sprach in seiner Rede von der starken europäischen Wirtschaftskraft einerseits und andererseits von den Krisen- und Kriegsgebieten, die unseren Kontinent umgeben. Für die Zukunft unserer Kinder sei es wichtig, nicht nur Produkte und Dienstleistungen zu exportieren, sondern auch europäische Werte, Demokratie, Rechte und Pressefreiheit zu transferieren. Voraussetzung dafür sei wirtschaftliche Stärke, denn diese schaffe Autorität. 

Von „Chancen“ bis Lebensgefahr“ würden die Perspektiven im digitalen Zeitalter 4.0 reichen. In der digitalen Wirtschaft habe Europa keine Vorherrschaft. Es sei abhängig von Märkten, die nicht auf unserem Kontinent liegen. Daten seien das Gold der Zukunft und besonders in diesem Punkt sieht Oettinger Chancen für eine europäische Strategie. In Bezug auf Datenschutz, digitale Infrastruktur, Urheberrecht und Roaming müssten Grenzen abgebaut und hohe Standards gemeinsam im europäischen Verbund geschaffen werden.

Da die digitale Revolution schneller voran schreitet, als jede Revolution, die es bisher gab, müsse sich jeder Einzelne zur Steigerung seiner eigenen Daten-Kompetenz digital bilden und weiterentwickeln.  

In Punkto Digitalisierung liegt der Ingenieurkammer Rheinland-Pfalz besonders der Ausbau des Breitbandinternetzugangs in den ländlichen Regionen am Herzen. Die digitale Infrastruktur steht im engen Zusammenhang mit den Zukunftschancen von Menschen und damit auch von ganzen Regionen. Daher müsse dem Ausbau von Hochgeschwindigkeitsnetzen, d.h. mindestens eine Übertragungsgeschwindigkeit von 100 Mbit/s für jeden Haushalt, in Rheinland-Pfalz eine besondere Bedeutung zukommen.

Auch der Erhalt der vorhandenen substantiellen Infrastruktur ist entscheidend für die Zukunftsfähigkeit des Landes und Grundlage für wirtschaftlichen Erfolg. Hierbei geht es nicht nur um kaputte Straßen und marode Brücken. Auch die Trinkwasserversorgung und deren Aufbereitung, die Abwassernetze und die Abwasserreinigung müssen erhalten und ständig modernisiert werden. Eine intakte Infrastruktur ist die Voraussetzung für unsere Wirtschaftskraft. Denn nur, wenn es uns wirtschaftlich gut geht, haben wir die finanziellen Mittel, uns soziale Leistungen, wie beispielsweise Rente, Pflege oder Betreuung für Menschen mit Handicap leisten zu können. Die investierten Milliarden der vergangenen Jahrzehnte sollen weiterhin ihre Berechtigung behalten. Unsere Wirtschaftskraft kann auch in Zukunft nur mit einer gesunden Infrastruktur erhalten bleiben.

Fotos: Kristina Schäfer