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Kein Windhundprinzip bei Corona-Hilfen: Kammerpräsidenten fordern Investitionsprogramm

Vier von fünf Architektur- und Ingenieurbüros spüren bereits negative Folgen der Corona-Pandemie. Drei Viertel von ihnen erwarten eine erhebliche Abschwächung der Auftragslage in den nächsten drei Monaten. Diese Ergebnisse einer bundesweiten Umfrage in der zweiten Aprilwoche zeigen: Beim Planen und Bauen schlagen die Krisenfolgen zeitversetzt zu Buche. Hilfsprogramme, die schon im Sommer auslaufen, werden dann nichts nützen.

„Das Coronavirus hat auch längst schon die deutsche Wirtschaft infiziert. Unsere Ingenieure und Architekten benötigen nicht nur Kredite und Kurzarbeitergeld, um diese Krise zu überleben. Vor allem benötigen sie Aufträge“, so Ingenieurkammerpräsident Dr.-Ing. Horst Lenz. Er ergänzt: „Die Corona-Krise zeigt uns deutlich, wie wichtig eine funktionierende digitale Infrastruktur und damit in erster Linie der flächendeckende Glasfaserausbau für das Aufrechterhalten des volkswirtschaftlichen und gesellschaftlichen Lebens ist. Auch harren das Schienennetz, Straßen und Brücken der Erneuerung. Angesichts des drohenden wirtschaftlichen Zusammenbruchs ist es dringend notwendig gegenzusteuern und auf ein nachhaltiges Konjunkturpaket zu setzen. Wenn die Politik jetzt Investitionen in die Infrastruktur drosselt, beschleunigt sie nur die Talfahrt dieser Krise.“

„Branchenspezifisch trifft uns die Krise mit einigen Wochen Verzögerung, doch sie ist absehbar. Wir sind besorgt, dass die öffentliche Hand Investitionen aufgrund wegbrechender Steuereinnahmen schieben könnte“, sagt Gerold Reker, Präsident der Architektenkammer Rheinland-Pfalz. Seine Forderung: „Das Gegenteil ist nötig. Wir brauchen antizyklisches Handeln von Land und Kommunen. Schulen, Kindergärten, Wohnungsbau und Infrastruktur - der alte Investitionsstau ist durch die Pandemie nicht einfach verschwunden. Deshalb sind kontinuierliche Investitionen der öffentlichen Hand aktuell doppelt dringend: Sie schaffen endlich angemessene Lernräume für Kinder, lindern den dringenden Wohnraumbedarf und verbessern die infrastrukturelle Basis für unser aller Leben und Arbeiten. Und sie halten die Planungs- und Baubranche, den traditionellen Konjunkturmotor, am Laufen. Land und Bund sind gefordert, die Kommunen jetzt zu unterstützen.“

Vom 6. bis zum 14. April wurde die Blitzumfrage zur Lage der Architektur- und Ingenieurbüros unter dem Eindruck der Corona-Pandemie im Auftrag der Bundesarchitekten- und der Bundesingenieurkammer in ganz Deutschland durchgeführt. Die Umfrage soll in regelmäßigen Abständen wiederholt werden.