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Gemeinsam gegen das Corona-Virus

Dr.-Ing. Horst Lenz Präsident

Liebe Kolleginnen und Kollegen,
liebe Mitglieder,

die aktuelle Coronavirus-Pandemie bildet ein für unsere Gesellschaft bis dato unbekanntes Szenario: Ein Virus, das sich in dieser Geschwindigkeit und Radikalität über alle territorialen und politischen Grenzen hinwegsetzt und die Welt geschlossen in Atem hält, überstieg bis vor kurzem unser aller Vorstellungskraft und ist nun bittere Realität für den Großteil der Menschheit.

Wer hätte an eine Maskenpflicht in Supermärkten, abgesagte Volksfeste sowie Ausgehbeschränkungen gedacht, als das Virus Anfang des Jahres im fernen China auftauchte - ganz weit weg? Aber in Zeiten der heutigen Globalisierung ist „ganz weit weg“ auch „um die Ecke“. Das bekommen wir heute deutlich zu spüren.

Das Virus „Sars-CoV-2“ bestimmt unseren Alltag auf eine noch nie da gewesene Weise: Wir sorgen uns dabei nicht nur um unsere eigene Gesundheit und das Wohlergehen unserer Liebsten. Die Corona-Krise birgt für Millionen von Menschen in Deutschland vor allem auch Existenzängste.

Darunter fallen auch viele Ingenieurinnen und Ingenieure in Rheinland-Pfalz, die heute mehr denn je um ihre berufliche Existenz fürchten. Das ergab eine Umfrage zur Lage der Büros unter dem Einfluss der Corona-Pandemie im Auftrag der Bundesarchitekten- und der Bundesingenieurkammer. Obwohl der Baustellenbetrieb soweit als irgend möglich weiterläuft, sind bereits jetzt vier von fünf Büros von den Auswirkungen der Pandemie betroffen, drei Viertel der Befragten rechnen in den kommenden Monaten mit weiteren, teils schweren wirtschaftlichen Einbußen. Insbesondere leiden die Betriebe unter erheblichen Umsatzrückgängen infolge zurückgestellter Aufträge, Verzögerungen im Genehmigungsprozess durch unterbesetzte öffentliche Verwaltungen und Störungen auf der Baustelle.

Die von Bund und Ländern zügig gewährten Liquiditätshilfen sind zweifelsohne lobenswert angesichts der Herkulesaufgabe, die binnen kürzester Zeit von unserem Staat zu bewältigen war. Fakt ist jedoch auch, dass an diversen Stellen Nachbesserungsbedarf besteht. So spiegelt die Höhe der Zuschüsse nicht annähernd die realen Kostenstrukturen vieler Büros wider. Auch ist in Anbetracht der fortschreitenden Krise eine Verlängerung der Hilfsmaßnahmen über den Sommer 2020 hinaus unumgänglich. Zudem fordern wir eine großzügige Bewilligung von Steuerstundungen sowie Absenkungen der Vorauszahlungen durch die Finanzbehörden über das 2. Quartal 2020 hinaus. Der Bundesgesetzgeber sollte großzügigere Verlustverrechnungsmöglichkeiten beschließen, so dass Verluste in diesem Krisenjahr mit Gewinnen aus Vorjahren verrechnet werden können.

Die Ergebnisse der durchgeführten Umfrage zeigen auch, dass die kommunale Bauverwaltung dringender Unterstützung bedarf, damit Genehmigungsverfahren schnell durchgeführt werden können. Generell sollten Vergabeverfahren vereinfacht und deren Schwellenwerte hinsichtlich einer europaweiten Umsetzung vorübergehend angehoben werden. Zudem würde eine Abfederung coronabedingter Finanzierungsprobleme privater Bauherren dazu beitragen, dass sich Bauprojekte nicht verzögern oder verhindert werden. Für all das und weit mehr setzen wir uns als Ingenieurkammer ein.

Die Corona-Pandemie wird uns in diesem Jahr noch viel abverlangen, und wir müssen uns mittel- und langfristig auf völlig neue Rahmenbedingungen einstellen. Die Rückkehr zur „Normalität“ wird uns dabei nur ganz langsam gelingen können. Doch wir wären nicht Ingenieure, wenn wir nicht auch aus dieser schwierigen Situation einen Mehrwert ziehen würden. Lassen Sie uns also die aktuelle Krise als Herausforderung und Chance zugleich nutzen. Wir erleben nun nahezu täglich, dass Entwicklungen, die schon vorher notwendig waren, enorm beschleunigt werden. Es gibt viele Beispiele eines digitalen Wandels, der plötzlich vorangetrieben wird. Unternehmen gehen viel kreativer mit der Arbeitsorganisation um: flexible Arbeitszeiten und Home-Office waren bis vor kurzem für viele ArbeitnehmerInnen undenkbar und gehören nun zum Alltag. Wir sehen, wie Universitäten plötzlich virtuelle Vorlesungen und digitale Lern-Ressourcen anbieten, damit niemand mehr in den Hörsälen sitzen muss. Schulen beginnen auch, den Unterricht über das Internet zu organisieren.

Eine weitere besonders schöne Entwicklung: Trotz physisch größerer Distanz rücken wir als Gemeinschaft näher zusammen. Daher bin ich mir sicher: Wenn wir aus dieser Krise herauskommen, werden wir stärker sein als vorher und feststellen, dass jeder von uns ein Teil des Ganzen ist und seinen Beitrag leistet. Es gibt nur eine Option: Zusammenhalt und Gemeinschaft.

Bleiben Sie optimistisch und gesund!

Dr.-Ing. Horst Lenz

Präsident