Symposium der Ingenieurkammer Rheinland-Pfalz

Aufbruch und Umbruch in Deutschland und Europa

300 Gäste aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft nahmen am traditionellen Symposium der Ingenieurkammer Rheinland-Pfalz am 31.10.2018 in Ingelheim teil. Besonderer Fokus lag in diesem Jahr auf der wirtschaftlichen und politischen Lage in Deutschland unter der Neuauflage der großen Koalition.

Beim Symposium 2018 der Ingenieurkammer Rheinland-Pfalz: Kammergeschäftsführer Martin Böhme, Gastredner Wolfgang Bosbach, Kammerpräsident Dr. Horst Lenz und Wirtschaftsminister Dr. Volker Wissing (v. l.). (Foto: Kristina Schäfer)

Der Vertrag der Koalitionäre in Berlin steht unter dem Titel „Ein Aufbruch für Europa“. Ein Aufbruch, der sich aktuell vielen Beobachtern eher als Umbruch in der politischen Landschaft darstellt. Die beiden Gastredner Dr. Volker Wissing und Wolfgang Bosbach kommentierten die aktuellen bundespolitischen und europäischen Entwicklungen.

Der Präsident der Ingenieurkammer Rheinland-Pfalz, Dr.-Ing. Horst Lenz, verwies in seiner Begrüßungsrede darauf, dass nach den beiden Landtagswahlen nun endlich wieder solide politische Sacharbeit geleistet werden müsse. Ansonsten bestehe die Gefahr, dass die Wirtschaft und die Beschäftigten von den Umbrüchen und disruptiven Entwicklungen der Digitalisierung kalt erwischt würden. Die Ingenieurkammer setze sich für einen digitalen Wandel ein, der die Menschen mitnehme und freiberufliche Strukturen im Land erhalte.

Auch bei der Qualitätssicherung im Ingenieurwesen gebe es viel zu tun, so Lenz. Innovation, Wettbewerbsfähigkeit, Wachstum und Wohlstand seien auch in Zukunft ganz eng mit gut ausgebildeten Ingenieurinnen und Ingenieuren verknüpft. An dieser Stelle sei besonders die Landesregierung gefragt. Bei der schulischen und akademischen Ausbildung von Nachwuchskräften müsse noch mehr investiert werden als bisher. Lenz kritisierte dabei, dass gerade die jungen Menschen nicht ausreichend gefördert und gefordert werden. Hier müsse sich vor allem bildungspolitisch nachhaltig etwas ändern.

In seinem Statement „Innovation und Wettbewerb in internationalen Spannungsfeldern“ erklärte der stellvertretende Ministerpräsident und rheinland-pfälzische Wirtschaftsminister, Dr. Volker Wissing, wie wichtig der Freihandel weltweit, für Europa und auch für Rheinland-Pfalz sei. Die Landesregierung bekenne sich ausdrücklich zum freien Handel – und das nicht nur, weil unsere Unternehmen überaus erfolgreich auf den internationalen Märkten seien. Der Freihandel hat der Welt einen enormen Wohlstandsgewinn gebracht. Zukunftsfähige Industrien und damit sichere Arbeitsplätze entstünden nicht unter dem Schutz von Zöllen, sondern im Wettbewerb um die beste Idee, das beste Produkt, die innovativste Lösung. Eine Exportquote von aktuell rund 58 Prozent zeige, dass die Produkte und Innovationen aus Rheinland-Pfalz in der Welt enorm nachgefragt seien. Dies sei ein Qualitätszeugnis. Hervorragend ausgebildete Fachkräfte, versierte Ingenieurinnen und Ingenieure tragen erheblich dazu bei.

Wolfgang Bosbach, der ehemalige Vorsitzende des Innenausschusses im Deutschen Bundestag, hielt einen Vortrag zum Thema "GroKo reloaded - worauf es jetzt jetzt in Deutschland und Europa ankommt". Mit einem Augenzwinkern nahm Bosbach, der seit dieser Legislaturperiode nicht mehr Mitglied im Bundestag ist, die Entwicklungen in Berlin und die Streitigkeiten der großen Koalition aufs Korn. Bosbach warnte aber auch davor, die Situation in Deutschland zu schwarz zu malen. Er verwies darauf, dass die wirtschaftliche Lage im Land von großen Erfolgen, gerade der kleinen und mittelständischen Unternehmen geprägt sei. Die Ingenieurinnen und Ingenieure spielten hierbei eine besonders wichtige Rolle. Einen Tipp, wer künftig die CDU anführe, ließ sich Bosbach nicht entlocken.

Die Vorträge boten abschließend umfassenden Gesprächsstoff beim Empfang mit Buffet und Musik.
(Foto: Kristina Schäfer)

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