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Klartext.

Stellungnahme der Ingenieurkammer Rheinland-Pfalz zu … 

…“Unverzichtbarkeit der Fortbildung von Ingenieurinnen und Ingenieuren“

Hintergrundinformationen:

Immer wieder steht die Notwendigkeit zur Fortund Weiterbildung der Kammermitglieder und Ingenieur/innen im allgemeinen zur Debatte und nicht selten kommen in letzter Zeit gewisse Kreise zu dem Schluss, dass das Studium, welches oftmals schon Dekaden zurückliegt, für immer ausreichend zu sein scheint. So berichtete erst vor kurzem der Verband Beratender Ingenieure (VBI), dass der Kampf um Zertifikate überhandnehme und „Akademische Berufsausbildung, Berufserfahrung und Markterfolg die drei tragenden Säulen für die Berufsbefähigung“ seien.

Dr. Volker Cornelius, Präsident des VBI, äußerte sich persönlich zum Thema und erläuterte, dass der VBI die verordnete Fortbildungsverpflichtung als nicht wirklich zielführend bewertet, schließlich sei da ja auch noch der unternehmerische Gedanke, der den Beratenden Ingenieur beschäftigt. Cornelius räumt zwar eine Unerlässlichkeit der Weiterbildung ein, meint jedoch, dass die bestehenden Reglementierungen von „auf Sicherheit bedachten und fachlich exzellenten Ingenieurleistungen“ wegführen.

Die Kammer spricht Klartext:

Im Gegensatz zu dem Kollegen des VBI schätzt die Ingenieurkammer Rheinland-Pfalz den Wert und die Notwendigkeit der Fortbildung und dem dazu passenden Angebot als äußerst wichtig ein. Fortbildungsveranstaltungen und Fachplanerlehrgänge dienen der zusätzlichen Qualifikation und sollen dem/der Ingenieur/in keinesfalls die naturgegebene Fähigkeit, in allen Bereichen tätig zu sein, aberkennen, sondern eine zusätzliche Spezialisierung liefern. Natürlich muss hier auf Qualität geachtet werden, die in den kammereigenen Veranstaltungen der Ingenieurbildung Südwest auf jeden Fall gewährleistet ist.

Auch der Vergleich mit den heilenden Berufen hinkt ein wenig. Dr. Cornelius schreibt „Denn anders als beispielsweise die heilenden Berufe addiert sich zu der verantwortlichen freiberuflichen Tätigkeit unabhängiger Ingenieure auch der unternehmerische Ansatz.“ 

Aus Sicht der Ingenieurkammer ist dies ein falscher Ansatz, denn auch der Mediziner mit eigener Praxis ist ein Unternehmer und kämpft um seine Existenz und finanzielles Bestehen. Fort- und Weiterbildung ist daher essentiell – für alle freie Berufe. Lebenslanges Lernen ist die Voraussetzung für Erfolg in einer sich rasant entwickelnden Gesellschaft.

Aus diesem Grunde findet man nicht umsonst auch in annähernd allen berufsständischen Kammern wie der Ingenieurkammer, Architektenkammer, Ärztekammer, Rechtsanwaltskammer u.v.m. eine Pflicht zur Fortbildung. Marketingtechnisch bringt diese Verpflichtung den Kammermitgliedern nur Vorteile, denn gegen- über den kammerunabhängigen Kolleginnen und Kollegen, gibt diese Pflicht dem Verbraucher das Zeichen, lieber auf ein Kammermitglied zurückzugreifen.

Zusatzqualifikationen können der Sicherheit und der Exzellenz der Ingenieurbauwerke nur dienlich sein und im Gegensatz zu der Ansicht des VBI hält die Kammer einen Lehrgang, der eigens für Kammermitglieder geplant und auf die Bedürfnisse des Verbrauchers UND des Ingenieurs angepasst wurde, für den Inbegriff von Freiheit. Nur wer alle neuen Methoden und gesetzlichen Rahmen kennt, kann sich wirklich frei entfalten, kreativ arbeiten und unternehmerisch effizient kalkulieren. Ingenieurinnen und Ingenieure, die auf die Fortbildung verzichten, können auf dem freien Markt nicht langfristig erfolgreich sein, denn der Kunde fordert moderne Methoden, umweltfreundliche Neuentwicklungen und innovatives Design. So scheinen es immer diejenigen zu sein, die sich über die Vielzahl der Möglichkeiten beschweren, welche völlig auf Zusatzqualifikationen verzichten.

Wenn man wie der VBI behauptet, dass allein der Marktmechanismus dafür sorgt, dass Ingenieure, die sich nicht fortbilden, über kurz oder lang vom Markt verschwinden, so verkennt man, dass bei dieser Betrachtungsweise der Verbraucher auf der Strecke bleibt.

Mainz, 18.10.2011